Aufnahme

Aufnahme

Die große Heterogenität der Klassen stellt Herausforderungen dar, die das gewohnte Maß oft überschreiten. Dennoch ist Heterogenität kein unüberwindliches Problem, sondern auch Chance für effizientes und differenziertes Lernen. Das betrifft etwa den Umgang mit Geschlechterrollen und die Sensibilisierung für unterschiedliche Kulturen, Themen der Inklusion oder die natürliche Rolle des Deutschen als gemeinsame Sprache in mehrsprachigen Kontexten. Das Heterogenitätspotenzial sollte je nach den Bedingungen, Anforderungen und Zielsetzungen des Unterrichts, in Bezug auf das vorhandene Lehrmaterial, den Lehr-/Lernansatz und die Qualifikationen der Lehrkraft genutzt oder begrenzt werden. Sprachliche Heterogenität lässt sich oft durch variantenreiche Lernszenarien binnendifferenzieren.

Insbesondere ergeben sich folgende Zwischenergebnisse des Modellprojektes:

  • Um ein ganzheitlicheres Bild der Schülerinnen und Schüler zu erhalten und optimal fördern zu können, ist die Erhebung von Informationen aus mehreren Bereichen (bspw. Sprachkenntnisse, Mathematik, fachliche/berufliche Interessen) sinnvoll.
  • Bei der Klasseneinteilung ist es sinnvoll, vorrangig die beruflichen Interessensgebiete der Schülerinnen und Schüler zu berücksichtigen und nicht nur den aktuellen Sprachstand. Die intrinsische Motivation der Jugendlichen kann so besser für den künftigen Lernweg genutzt werden. Außerdem lässt sich so besser nach Lerngeschwindigkeit differenzieren.
  • Um die Bildung von Parallelgesellschaften innerhalb der Schule zu vermeiden, sollten Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Herkunftsregionen gemischt werden.
  • Während des laufenden Schuljahres sollten keine Aufnahmen in die Klassen stattfinden.
  • Da der Großteil der Asylbewerber und Geflüchteten männlich ist und teilweise Vorbehalte gegenüber einer beruflichen Bildung von Mädchen und Frauen bestehen, ist ein besonderes Augenmerk darauf zu richten, die bestehenden Angebote für weibliche Schülerinnen und Schüler zugänglich und attraktiv zu machen.
  • Eine zu umfangreiche Testung zum Aufnahmezeitpunkt ist oft nicht nötig. Gerade zu Beginn des Spracherwerbs genügt oft eine einfache Zuordnung zu Sprachniveaus, Lernvermögen/-geschwindigkeit und verfügbaren Klasseneinteilungen, die am besten zunächst auf einer Beobachtung des Lernverhaltens im Anfangsunterricht beruht. Auf schriftliche Tests kann hier u.U. zunächst ganz verzichtet werden. Ansonsten sollten weitestgehend verfügbare Standardtests eingesetzt werden.
  • Eine Sprachstandsdiagnose vor der Einschulung sollte nur durchgeführt werden, wenn auch eine äußere Differenzierung möglich ist, also entsprechende Klassen gebildet werden können. Die Diagnose sollte zudem nur von geschultem Fachpersonal durchgeführt werden (entsprechende Kompetenzen hierfür können beispielsweise im Rahmen einer fundierten DaZ-Ausbildung erworben werden).
  • Wirkungsvoller als eine Einstufung zu Beginn der Beschulung ist ein kontinuierliches Monitoring der Lernprozesse im Rahmen eines individuellen Förderplans. Zu diesem Themengebiet werden im Verlauf des Modellprojektes Erfahrungen gesammelt und Ergebnisse veröffentlicht.
  • Besonders bei der Aufnahme und zu Beginn der Beschulung sind auch kulturell bedingte unterschiedliche Schreibweisen zu beachten (bspw. Leserichtung von rechts nach links, abweichende mathematische Darstellungsweisen oder Symbole).
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