Die steigenden Schülerzahlen im Bereich der Berufsintegrationsklassen führten zur Notwendigkeit, die interkulturelle Öffnung der Berufsschule zu thematisieren. Aufgrund der unterschiedlichen Hintergrundinformationen und der sich daraus ergebenen heterogenen Einstellung gegenüber der Thematik im gesamten Kollegium, war es notwendig, die Wertschätzung und Nutzung der unterschiedlichen Kulturstandards deutlich herauszustellen. Das gesamte Schulteam sollte mittels geeigneter Maßnahmen grundlegend sensibilisiert werden und sich mit der persönlichen Einstellung – mithilfe nachvollziehbaren Inputs – offen und kritisch auseinandersetzen.

Das Berufliche Schulzentrum Schwandorf hat mit einem zweistufigen Vorgehen auf diese Notwendigkeit reagiert.

  1. Fortbildung für das gesamte Schulteam

Das gesamte Schulteam nimmt an einem interkulturellen Training im Rahmen des pädagogischen Tages teil. Ziel ist die Stärkung der interkulturellen Kompetenz. Es geht um das Erfassen von kulturellen Einflussfaktoren im Wahrnehmen, Denken, Empfinden, Urteilen und Handeln bei sich selbst und bei fremden Personen. Weiter geht es um die Wertschätzung und Nutzung der unterschiedlichen Kulturstandards.

Hilfreiche Themen und Inhalte eines solchen Fortbildungstages sind:

  • Was ist Kultur?
  • Kulturen und Wertorientierungen
  • Kultur und Kulturstandards
  • Interkulturelle Kompetenz
  • Dimensionen Kultur – Schule
  • Arbeiten mit Fallbeispielen – Reflexionsübungen
  1. Einbeziehung weiterer relevanter Akteure

Im Rahmen des Projektes „Crossing Lifelines“ www.crossing-life-lines.de/ wurde eine Veranstaltung mit dem Titel „Chancen interkultureller Öffnung im beruflichen Bildungsprozess“ mit Lehrkräften, Unternehmern, Ausbildern und Mitarbeitern von sozialen Einrichtungen sowie von Ämtern und Behörden abgehalten.

Themen der Veranstaltung waren:

  • Interkulturelle Kompetenz in der beruflichen Bildung
  • Interkulturelles Lernfeld Schule
  • Bedarf an kultureller Sensibilität in der Schul-, Unternehmens- und Personalentwicklung: Erfahrungen und Diskussion
  • Systemcheck: Wie kulturell offen ist Ihr Betrieb? Perspektivenwechsel und Wertschätzung der eigenen Situation
  • Die Ausländerrechtliche Frage
  • Alle an einem Strang ziehen: Chancen durch Schnittstellen-Management
  • Innensicht: Ressourcen und Hindernisse auf dem beruflichen Weg in Deutschland
  • Crashkurs Arabisch

 

Hintergrundinformationen zum Projekt „Crossing Lifelines“

Idee: Junge Leute aus verschiedenen Kulturen sollen sich verstehen lernen.

Grundlage dieses Projekts war die Untersuchung der Frage, wie Integration gelingen kann. Projektansatz war nicht das Hervorheben der sozialen Situation der Flüchtlinge, sondern die Biografien von Jugendlichen aus aller Welt. Crossing Lifelines ist kein Flüchtlings-, sondern ein Begegnungsprojekt! Der kreative, interkulturelle Aspekt steht hier genauso im Vordergrund wie die Förderung der interkulturellen Kompetenz, des Spracherwerbs, der Kontaktaufnahme mit Gleichaltrigen und des Aufbaus beruflicher Perspektiven. Eine Hinführung zum qualifizierten Schulabschluss der Mittelschule wird angestrebt.

Bisherige Ergebnisse:

  • Jugend-Kulturförderpreis des Bezirks Oberpfalz
  • Schüler aus den Flüchtlingsklassen und der FOS/BOS erarbeiten gemeinsam Texte für ein Kinderbuch, um so besser IHR Thema Flucht und Heimat sowie traumatische Erfahrungen kreativ zu verarbeiten.
  • Fachtag zur interkulturellen Kompetenz

Schule

Staatliches Berufliches Schulzentrum Schwandorf


 

Ansprechpartner

Werner Nagler

Wenn in Betrieben die Entscheidung ansteht, ob für berufsschulpflichtige Asylbewerber und Flüchtlinge Praktikumsplätze zur Verfügung gestellt werden sollen, herrscht manchmal Unsicherheit bezüglich verschiedener Fragestellungen (Organisatorisches, Umgang mit vorhandenen sprachlichen und kulturellen Hürden etc.). Es hat sich gezeigt, dass eine Information der (potentiellen) Praktikumsbetriebe entlastend wirkt. An den Modellschulen in Weilheim und Kronach wurde dafür ein Flyer entwickelt und professionell gestaltet. Die Information der Betriebe über diesen Kanal stellt eine Möglichkeit dar, die notwendige Zusammenarbeit der Berufsschule mit den Betrieben der Region zu gestalten.

Die Inhalte des Flyers werden hier zum Download angeboten und können als Anregung für andere Schulen dienen. Der Flyer selbst kann aus Gründen des Datenschutzes und des Urheberrechts hier nicht bereitgestellt werden.

Um Informationen zur zielorientierten Weiterentwicklung des Unterrichts in den Berufsintegrationsklassen zu sammeln, haben Lehrkräfte der Städtischen Berufsschule 5 mehrere ehemalige Schülerinnen und Schüler der Berufsintegrationsklassen an ihren jetzigen betrieblichen Ausbildungsstellen besucht.

 

Während dieser Besuche wurden mit den Auszubildenden strukturierte Gespräche mit dem Ziel durchgeführt, besonders relevante Sprachhandlungen zu erfassen.

 

Als relevanteste Sprachhandlungen im Ausbildungsalltag ergaben sich:

  1. sich vorstellen, jemanden begrüßen, sich verabschieden
  2. Absprachen treffen
  3. Beschwerden verstehen und darauf reagieren
  4. um Hilfe bitten
  5. sich entschuldigen und auf Entschuldigungen reagieren
  6. Notizen verstehen und verfassen
  7. auf Lob und Kritik angemessen reagieren
  8. Vorschläge machen/annehmen/ablehnen

 

Folgende weitere Eindrücke konnten bei den Gesprächen gewonnen werden:

  • Ein persönlicher fester Ansprechpartner im Ausbildungsbetrieb während der gesamten Ausbildung wird als äußerst hilfreich erlebt.
  • Sozialkompetenzen haben eine im Vergleich zu kognitiven oder sprachlichen Fähigkeiten häufig übergeordnete Bedeutung.
  • Die Auszubildenden erleben Unterrichts- und Testformate in den Fachklassen der Berufsschule häufig als große Hürde.

 

Folgende Empfehlungen werden abgeleitet:

  • Zur Reflexion der eigenen Tätigkeit ist es für Lehrkräfte hilfreich, ehemalige Schülerinnen und Schüler der Berufsintegrationsklassen an ihren Ausbildungsstellen zu besuchen.
  • Schülerinnen und Schüler der Berufsintegrationsklassen profitieren von Netzwerken und Kontaktmöglichkeiten zu Ehemaligen. Diese Ehemaligen sind erfolgreiche Vorbilder für Integration. Kontakte zu Ehemaligen können sich positiv auf Leistung und Motivation der Schülerinnen und Schüler der Berufsintegrationsklassen auswirken.

Schule

Städtische Berufsschule 5 Nürnberg


 

Ansprechpartner

Alexander Meier

Zur Anbahnung und Vermittlung beruflicher Sprach- und Fachkompetenz durchlaufen die Schüler der Berufsintegrationsvorklasse (1. Jahr) verschiedene Fachbereiche der Berufsschule.

Dafür wurde folgendes organisatorische Format gewählt

  • Die Schülerinnen und Schüler jeder Berufsintegrationsvorklasse werden in zwei Gruppen aufgeteilt
  • Diese Gruppen besuchen an einem festen Tag für ca. sieben aufeinanderfolgende Unterrichtswochen einen Fachbereich der Berufsschule und absolvieren fachpraktischen Unterricht. Danach erfolgt ein Wechsel des Fachbereiches und der Durchlauf beginnt von neuem.
  • Es konnten folgende Fachbereiche einbezogen werden: Wirtschaft und Verwaltung, Nahrungszubereitung, Service, Bautechnik, Holztechnik und Metalltechnik

Erfahrungen

  • Es zeigte sich eine hohe Motivation der Schülerinnen und Schüler im praktischen Unterricht.
  • Die Schüler erhalten und nutzen viele Lernchancen und können sich fundierter für ein Praktikum in einem bestimmten Bereich entscheiden.
  • Handlungsorientierte Prozesse können im praktischen Unterricht leichter umgesetzt und Fachbegriffe von den Jugendlichen schneller und leichter gelernt werden.
  • Eine große Schwierigkeit besteht in der schulorganisatorischen Umsetzung.

Materialien

Für die Fachbereiche Wirtschaft und Verwaltung, Service, Nahrungszubereitung und Bautechnik stehen Raster zur Verfügung, die als Curriculum dienen können.


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