Integration

Integration

Die Integration in die Mehrheitsgesellschaft stellt für die jugendlichen Flüchtlinge eine sehr herausfordernde Aufgabe dar. Integration meint dabei im Gegensatz zur Assimilation die Hinwendung zu der aufnehmenden Kultur, ohne die eigenen Wurzeln zu verleugnen. Die Bildung einer eigenen Identität ist darüber hinaus ein wichtiger Bestandteil der Integration der Jugendlichen in die Gesellschaft. Dazu gehört die Auseinandersetzung mit Fragen kultureller Zugehörigkeit.

Jugendliche Flüchtlinge sollten deshalb dabei unterstützt werden, ihre eigenen Traditionen und Werte in eine für sie stimmige Balance mit den dominierenden Orientierungen der Aufnahmegesellschaft zu bringen. Es ist wichtig, ihnen das Gefühl zu geben, dass diese wertvoll sind und nicht aufgegeben werden müssen.

Integration stellt aber auch eine Herausforderung für die Menschen der Mehrheitskultur dar, in der Verschiedenheit nicht abgelehnt, sondern als Normalfall angesehen wird. Die Schule kann dabei die Rolle eines Modells für eine inklusive Gesellschaft annehmen.

Integrationsprozesse werden gefördert, wenn das Miteinander und das gegenseitige Verstehen verstärkt werden. Dementsprechend ist alles zu vermeiden, was den Sonderstatus der Geflüchteten heraushebt und verstärkt.

Mögliche Maßnahmen zur Förderung der Integration können sein:

  • Gegenseitiges Verständnis wird gefördert durch das Lernen voneinander.
  • Persönliche Kontakte ermöglichen und erleichtern den Abbau von Barrieren sowohl zwischen den Jugendlichen untereinander, als auch zwischen den Jugendlichen und den Lehrkräften. Regelmäßige Kontakte zwischen Schülerinnen und Schülern aller Klassen sollten daher gefördert werden. Beispielsweise können bei einem gemeinsamen Frühstück, bei gegenseitigen Hospitationen oder Ausflügen Gelegenheiten für Austausch und Diskussion geschaffen werden. Derartige Veranstaltungen sollten so durchgeführt werden, dass eine Verstetigung der Kontakte gelingen kann.
  • Gemeinsamkeiten und Unterschiede können von den Jugendlichen selbst (Einheimische und Geflüchtete) ausgearbeitet werden. Auf diese Weise wird die Wahrnehmung für Gemeinsamkeiten geschärft und ein konstruktiver Umgang mit Verschiedenheit auf Augenhöhe eingeübt. Indem man sich gegenseitig kulturelle Eigenheiten erklärt, lernt man einander besser kennen.
  • Den jugendlichen Flüchtlingen sollte die Möglichkeit gegeben werden, sich mit ihrer Kultur positiv einzubringen (Feste, Rituale vorstellen usw.). Hier kann die Ermutigung durch die Lehrkraft wichtig sein.
  • Die Klassenräume der Berufsintegrationsklassen sollten nicht von den anderen Klassenräumen abgetrennt werden, sondern in deren unmittelbarer Nachbarschaft liegen.
  • Bestimmte Unterrichtsanteile können gemeinsam durchgeführt werden (z.B. Sport oder praktischer Unterricht).
  • Die Aktivierung gemeinsamer, altersgerechter und möglichst sprachunabhängiger Interessen, wie z. B. Kochen und Sport, schaffen Begegnungen und unterstützen ein positives Schulklima.
  • Die Jugendlichen der Berufsintegrationsklassen sind selbstverständlicher Bestandteil der Schulgemeinschaft und damit auch in der Schülermitverantwortung (SMV) vertreten. So können sich die Jugendlichen aktiv bei der Verbesserung der Qualität des Schullebens einbringen. Gleichzeitig erlernen sie demokratische Kompetenzen, identifizieren sich mit der Schule und werden in ihrer Persönlichkeit gestärkt.

Integration ist ein Lernprozess, der sich über eine längere Zeitspanne ereignet. Insbesondere Lehrkräften und den sozialpädagogischen Fachkräften muss dies bewusst sein, da es sonst schnell zu einer Überforderung der Geflüchteten kommen kann. Zu den Aufgaben der Lehrerinnen und Lehrer gehört es, junge Flüchtlinge über diesen Prozess aufzuklären.

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