Unterricht

Unterricht

Der Unterricht mit Flüchtlingen und Asylbewerbern stellt oft große Herausforderungen an Lehrkräfte, Unterrichtskonzepte und Lehrmaterialien, weil die Lerntraditionen, Lerngewohnheiten und Erwartungen der Schülerinnen und Schüler in vielen Fällen deutlich von den Grundlagen des bayerischen Schulsystems abweichen. Das betrifft unter anderem den Umgang mit Strategien und Techniken selbstständigen Lernens, die Setzung realistischer, fokussierter und erreichbarer Lernziele, die Transparenz der Bedingungen und Möglichkeiten des Bildungssystems und die erwartete Stetigkeit des Lernens.

Es geht im Unterricht daher auch viel darum, die entsprechenden Grundlagen, Konzepte und Zielsetzungen mit Geduld und Einfallsreichtum in Bezug auf die mitgebrachten Gewohnheiten und Erwartungen zu vermitteln und den Nutzen einer soliden Ausbildung möglichst unmittelbar erfahrbar zu machen. Dabei ist neben Geduld auch eine gewisse Gelassenheit von Vorteil: Dass der Lernfortschritt während des Unterrichts oft gering ist, sollte nicht vorschnell auf Defizite in der Unterrichtsgestaltung zurückgeführt werden, sondern spiegelt die komplexer gewordenen Ausgangs-, Arbeits- und Rahmenbedingungen wider.

Insbesondere ergeben sich folgende Zwischenergebnisse des Modellprojektes:

  • Es ist hilfreich, kreative, künstlerische, musische, sportliche und praktische Angebote in den Unterricht zu integrieren. Dies trägt zu Stetigkeit, Zielstrebigkeit und Rhythmisierung bei, macht Ressourcen der Schülerinnen und Schüler sichtbar und hilft zusätzlich bei der Stabilisierung der Persönlichkeit.
  • Begegnungsmöglichkeiten mit Menschen mit erfolgreicher Migrationsgeschichte sind für die Jugendlichen wichtig und wertvoll. Diese Vorbilder stellen gute Identifikationsfiguren dar.
  • Durch die Schaffung von Begegnungsmöglichkeiten mit ehemaligen Schülerinnen und Schülern der Berufsintegrationsklassen können diese als starke Vorbilder genutzt werden. Denkbar ist eine Einladung in den Unterricht und die Zurverfügungstellung als Ansprechpartner, Mittler und Mentoren.
  • Die Vermittlung von grundlegenden Aspekten aus dem Bereich „Lernen lernen“ (bspw. Ordnerführung) benötigt häufig viel Geduld. Die Anforderungen an die Selbstverantwortung sollte schrittweise und nach den individuellen Kompetenzen der Jugendlichen gesteigert werden.
  • Die Unterrichtssprache und die gemeinsame Sprache ist – wegen der Vielfalt der Lernersprachen und der Sprachumgebung – natürlicherweise Deutsch. Mehrsprachigkeit sollte dennoch als Ressource verstanden werden, die im Unterricht und seinem Umfeld in bestimmten Lernphasen gezielt eingesetzt werden kann.
  • Andere Sprachen sollen keinesfalls durch ein generelles Verbot während des Schulalltages entwertet werden. In Vermittlungsphasen kann der Rückgriff auf die Erstsprache(n) entlastend wirken. Darüber hinaus sollten die Wertschätzung und „Wertschöpfung“ sprachlichen Kapitals entsprechend gewürdigt, genutzt und gefördert werden.
  • Da gutes Unterrichten regelhaftes Verhalten voraussetzt, gelten für alle Schülerinnen und Schüler der Schule klare Regeln, Strukturen und Konsequenzen.
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